Einmal Käse-Sahne mit dem Drohnen-Pilot

„Ich wollte immer fliegen, schon damals als kleiner Junge. Mit dem Modellfliegen habe ich angefangen. Pilot zu werden war leider keine Option, dazu hätte man Abitur gebraucht und dafür habe ich zu wenig gerne gelernt. Stattdessen bin ich nach der Schule erstmal zur Luftwaffe gegangen. Und heute sind es die Drohnen, die ich fliege. Da gibt es unzählige Einsatzmöglichkeiten von Inspektion bis Hochzeitsbild ist alles dabei und was ich dabei schon gelernt habe – mehr als bei jedem Abitur!“

Drei Drohnen hat Steffen Franzeck, der Luftguck-Experte aus dem Elbe Elster Kreis, heute am Start, jede hat ihre Spezialität: eine kann besonders weit fliegen, eine andere sammelt Daten und die dritte ist besonders versiert mit der Kamera. Alle aber brauchen sie ihn, um abzuheben. Nur wie wird man eigentlich Drohnen-Pilot?

Wenn ich groß bin, werde ich Drohnen-Pilot?

Steffen Franzeck holt tief Luft und gabelt sich dann doch erstmal noch ein Stück Kuchen auf. Wir haben uns in seinem Lieblings-Café mitten in seiner Heimatstadt Finsterwalde verabredet, um uns für die heutige Flugübung zu stärken, denn dass wir fliegen werden heute, steht außer Frage. Wobei das nur für mich etwas Ungewöhnliches ist, Steffen Franzeck hebt seit einem Jahr fast täglich ab.

Das war damals, als er aus der Schule kam, unvorstellbar. Als Jugendlicher hat er eine Ausbildung zum Maurer gemacht, ein solider Beruf, mit dem sich sein Leben und das ein oder andere Modellflugzeug finanzieren ließ. Der Traum vom hauptberuflichen Fliegen wurde zunächst einmal beiseitegelegt. Als Maurer verließ er dann auch die Lausitz und ging für einige Jahre ins Schwäbische, bevor ihn die Heimatliebe vor knapp zehn Jahren wieder zurückbringt. In der Zwischenzeit hatte sich einiges verändert, nicht nur der Freundeskreis. Aber die Lausitzer mit ihrer direkten Art, die sind geblieben. Das Direkte mag er so an ihnen, klare Ansagen, ehrlich geraderaus.

Hier, in der alten Heimat ist plötzlich alles möglich: erst ein privater Neuanfang und dann ein beruflicher: Franzeck lässt sich als Drohnen-Pilot ausbilden und baut drumherum seinen eigenen Drohnen-Service, der ihn die Lausitz schließlich doch noch von oben sehen lässt.

„Will ich privat eine Drohne fliegen für ein paar schöne Fotos oder möchte ich damit mein Geld verdienen?“

Er erinnert sich noch genau an sein erstes Foto aus der Luft: ein See, aus dem Baumstümpfe ragen, die man vom Ufer nicht gesehen hatte. Heute gehören neben den Fluggeräten auch Wärmebildkameras und Software wie Filmschnittprogramme zu seinem Equipment, das stetig wächst. Seine Drohnen sind sogenannte Hexakopter, sechs Rotoren sorgen dafür, dass sie stabil auf Kurs bleibt, auch wenn einer der Rotor ausfallen sollte. Das ist wichtig, denn die Drohnen kommen auch in brenzligen Situationen zum Einsatz. So etwa wie im letzten Jahr, als der Wald brannte und die Feuerwehr einen Blick von oben benötigte und das nicht nur einmalig, sondern über einen längeren Zeitraum hinweg.

Perspektivwechsel per Auftrag

Mit dem Luftfahrt-Bundesamt ist Steffen Franzeck mittlerweile per Du. Wenn er gebucht wird, sorgt er dafür, dass alle Genehmigungen eingeholt und alle Nachbarn informiert werden. Die Strafen für ungenehmigte Flüge, etwa in Wohngebieten oder über fremdem Gelände, sind hoch. Viel lieber aber noch als Dokumente auszufüllen begeistert er andere fürs Fliegen. So ist er an den umliegenden Schulen ein gefragter Experte für Projekttage. Auch seine Kunden dürfen ihm bei allem, was er macht, über die Schulter schauen. Nicht selten wird dann spontan noch eine Kurve mehr gedreht oder ein Bild mehr gemacht als gebucht – wenn man schon mal in der Luft ist! Steffen Franzeck hat dafür mehr als Verständnis, er kann sich ja selbst nicht sattsehen an seiner Lausitz, die für ihn ein riesengroßer Abenteuerspielplatz ist.

Wer Steffen Franzeck heute im Einsatz sieht, sieht den kleinen Steffen mit den leuchtenden Augen bei jedem Flugmanöver und den sorgfältig planenden erwachsenen Drohnen-Experten vereint. Beim Blick über seine Schulter auf den Bildschirm, den er wie einen Bauchladen vor sich trägt und auf dem er Tempo, Richtung und Kamerawinkel steuert, scheint es als blickten wir aus dem Cockpit der Drohne, ja als flögen wir selbst mit. Wir von oben, das wäre doch ein schönes Bild? „Schon gemacht“, lacht Steffen Franzeck. Und würde der Akku nicht nach 25 Minuten auf sich aufmerksam machen, wir würden die Landung in Finsterwalde herauszögern und stattdessen noch eine Kurve über die weiten Lausitzer Felder nehmen.

Text & Fotos: Anne Seubert